Slow Fashion: Was bewusste Mode wirklich bedeutet
Der Begriff Fast Fashion ist mittlerweile weit verbreitet und betrifft nahezu jede grosse Modekette, die ihre Kundschaft nicht in erster Linie durch Qualität, sondern vor allem durch eine riesige Vielfalt aus ständig wechselnden Kollektionen überzeugt. Das Pendant dazu ist – wer hätte es gedacht: Slow Fashion! Was genau Slow Fashion ist, wie es sich von Fast Fashion unterscheidet und welche Ziele damit einhergehen, möchten wir dir in diesem Beitrag erklären.
von CALIDA
27. September 2024•3 Min. Lesezeit

Slow Fashion: Schlüssel zu zeitloser Eleganz und bewussterem Konsum.
Inhaltsverzeichnis
Slow Fashion vs. Fast Fashion
Die Modeindustrie ist eine der grössten Herausforderungen für den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und bringt in vielen Ländern auch massive Menschenrechtsverletzungen mit sich. Schuld daran ist in erster Linie Fast Fashion. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um die schnelllebige Produktion und den Handel riesiger Mengen an Kleidung, von denen ein Grossteil erst gar nicht im Geschäft landet bzw. verkauft wird. Durch wöchentlich wechselnde Kollektionen bekannter Modeketten entsteht aber nicht nur eine Menge Abfall.
Insbesondere die Produzenten, also die Näherinnen und Industriearbeiterinnen, leiden durch ihre Arbeit unter gesundheitlichen Problemen, niedrigen Löhnen und einer unvorstellbaren Arbeitsbelastung. Oft sind sie dabei giftigen Chemikalien oder einer maroden Infrastruktur ausgesetzt: Ein erschreckendes Beispiel hierfür ist die 2013 eingestürzte Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch.
Neben den Auswirkungen auf Umwelt und Produzentinnen sind aber auch wir als Konsumentinnen von der Qualität betroffen, die durch günstige Materialien und eine weniger aufwendige Verarbeitung entstehen kann. Denn Fast Fashion-Kleidungsstücke können oftmals nur wenige Monate oder gar Wochen getragen werden, bevor man sie wegschmeissen und ersetzen muss. Der Kreislauf aus einer günstigen Produktion und einer kurzen Tragedauer von Fast Fashion-Kleidung beginnt von vorn, wenn er nicht durch bewusstere Alternativen wie Slow Fashion unterbrochen wird.

Die 5 Säulen von Slow Fashion: Definition & Ziele
Dass Fast Fashion eine enorme Belastung für Mensch und Umwelt darstellen kann, wissen wir nun. Aber wie hebt sich Slow Fashion von der schnelllebigen Modeindustrie ab? Tatsächlich ist das Hauptziel, wie der Name bereits verrät, eine Verlangsamung der Wertschöpfungskette. Hierdurch kann mehr Zeit in eine sorgfältige Verarbeitung und die Auswahl geeigneter Rohstoffe investiert werden; die Qualität kann sich verbessern, Kleidung wird länger genutzt und neue Kleidungsstücke weniger schnell nachgekauft. Eine Win-Win-Situation!
Auswahl der Rohstoffe
Am Anfang der Wertschöpfungskette stehen die Rohstoffe. Schon hier setzt sich die Slow Fashion-Bewegung für bewusstere Anbaumethoden ein. Baumwolle und andere Pflanzen, die zur Produktion von Kleidung benötigt werden, können unter unterschiedlichen Bedingungen angebaut werden.
Auch die Auswahl der Anbauflächen und Produktionsstandorte kann eine Rolle spielen. Dabei können beispielsweise Transportwege und der Wasserbedarf berücksichtigt werden.
Bewusste Produktion
Sind die Rohstoffe vorhanden, geht der Prozess bis zum fertigen Kleidungsstück erst richtig los; die Pflanzen müssen geerntet, aussortiert, zu Fasern gesponnen und schliesslich zu Stoffbahnen gewebt werden. All diese Schritte laufen grösstenteils bereits maschinell ab und verbrauchen dabei viel Energie. Beim anschliessenden Färben der Stoffe kommen verschiedene chemische Textilfarben zum Einsatz.
Slow Fashion setzt sich bei der Herstellung von Kleidung für bewusst geplante und kontrollierte Prozesse ein. Dabei können beispielsweise Energie- und Wasserverbrauch sowie der Einsatz bestimmter Chemikalien berücksichtigt werden. Unternehmen können zudem mit lokalen Partnerunternehmen zusammenarbeiten und dabei eigene Vorgaben und Kontrollen für Produktionsprozesse festlegen.
Kontrollierter Handel
In der Fast Fashion-Industrie liegt der Fokus auf Quantität. Zu jedem Zeitpunkt müssen für jeden und jede Konsument*in ausreichend Produkte aus den aktuellen Kollektionen verfügbar sein – online sowie offline. Die Kleidungsstücke, die im Sale nicht verkauft werden, landen im schlimmsten Fall auf dem Müll.
Slow Fashion-Marken hingegen produzieren zum Anfang einer Kollektion häufig eine überschaubare Menge an Kleidungsstücken vor. Sind diese Teile verkauft, wird erst auf Anfrage nachproduziert, um Überproduktion und daraus entstehenden Müll zu reduzieren.
Zudem setzen Slow Fashion-Brands in der Regel auf eine bewährte Auswahl an Basic-Pieces und ein kleineres Sortiment, welches das ganze Jahr über verkauft wird. Neue, kurzweilige Kollektionen sind seltener und werden zudem auf die Bedürfnisse von Kund*innen angepasst, um auch hier eine Überproduktion zu reduzieren.
Soziale Standards
Kinderarbeit, Hungerlöhne und 80-Stunden-Wochen – In der Fast Fashion-Industrie sind all diese und weitere unvorstellbare soziale Belastungen keine Seltenheit! Mit Slow Fashion soll all dies nicht mehr passieren; Brands können auf angemessene Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, eine Kontrolle der Arbeitsbedingungen in den beteiligten Betrieben, die Einhaltung gesetzlicher Arbeitszeiten, das Verbot von Kinderarbeit und weitere soziale Standards achten.
Nutzung über einen längeren Zeitraum durch gute Verarbeitung
Eine verlangsamte Wertschöpfungskette, die das natürliche Wachstum von Rohstoffen und die Eingrenzung von Arbeitszeiten ermöglicht, kann nur umgesetzt werden, wenn auch die stetige Nachfrage nach neuer Kleidung zurückgeht. Um aus dem schnelllebigen Kreislauf der Fast Fashion-Industrie auszubrechen, setzen Slow Fashion-Marken daher auch auf eine sorgfältige Verarbeitung ihrer Ware. Die robusten, pflegeleichten und sorgfältig verarbeiteten Kleidungsstücke können über einen längeren Zeitraum getragen werden, wenn sie entsprechend gepflegt werden.

Die oftmals höheren Preise für aufwendig produzierte Mode können dabei unter anderem durch die Verarbeitung, ausgewählte Materialien, Produktionsstandorte und weitere Faktoren entstehen. Bedenkt man hierbei die mögliche Nutzungsdauer und die Verarbeitung der Kleidungsstücke, kann sich der höhere Anschaffungspreis über die Nutzungszeit relativieren.
Woran erkenne ich Slow Fashion?
Leider sind Begriffe wie „Slow Fashion“, „biologisch“, „ökologisch“ oder „fair“ nicht geschützt. Dies macht es schwer, zwischen Slow-Fashion und Greenwashing zu unterscheiden. Auskunft über das soziale Engagement, Produktionsbedingungen und weitere Eigenschaften geben daher in erster Linie Angaben und Kennzeichnungen, mit denen sich die ganze Marke oder einzelne Kleidungsstücke präsentieren.
Bei der Auswahl von Kleidung können konkrete Angaben zu Materialien, Produktionsstandorten, Herstellungsprozessen und verwendeten Standards eine Orientierung bieten. Auch bekannte Kennzeichnungen können zusätzliche Informationen über bestimmte Eigenschaften eines Produkts liefern. Wichtig ist dabei, immer genau zu prüfen, welche konkreten Kriterien eine Kennzeichnung abdeckt und worauf sie sich tatsächlich bezieht.
Sucht man beispielsweise nach Kleidung aus bestimmten Baumwoll- oder anderen Materialien, lohnt sich ein Blick auf die jeweiligen Materialangaben und Produktinformationen. Auch bei sozialen Produktionsbedingungen und Handelsbedingungen solltest du auf die konkreten Angaben des jeweiligen Anbieters achten.
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